Ein Ort, an dem Wettkämpfe ausgefochten, Emotionen gelebt, Tränen vergossen, Biere getrunken, Würste gegessen und Wunder wahr werden. Auch wir besitzen, bzw. besaßen eine derartige Arena. Früher bekannt unter dem Namen “Stadion am Betzenberg”, brannte sich jedoch der Begriff “Deutschlands höchster Fußballberg” ins Gedächtnis nationaler und internationaler Fans. Müde vom 286m langen Aufstieg, musste nun in der Pfälzer Hölle ein Sieg errungen werden. Schon so mancher tat dies als Lappalie ab und meinte, hier doch mit Leichtigkeit zu gewinnen. Ganz kurz sei auf Spiele wie das 7:4 gegen die großen Bayern aus dem Jahre 73/74, das 5:0 gegen die Königlichen aus Spanien 81/82 oder das Herzblutfinale 07/08 verwiesen.
Obwohl das Stadion zum Zeitpunkt des letzten genannten Spieles schon den Namen Fritz – Walter – Stadion trug, wird es für uns immer “De Betze” bleiben. Umbenannt als Geburtstagsgeschenk an den bedeutendsten und wahrhaftigsten Pfälzer aller Zeiten: Fritz Walter (R.I.P.). Obwohl dies nicht die erste Namensänderung des Stadions war, betrachtete man sie mit Wohlwollen und Sympathie. Hält man sich vor Augen, dass, im Zeitalter des Kommerzes und schnellen Geldes, Traditionen und Werte immer mehr in Vergessenheit geraten, kann man sichtlich stolz sein, alle 14 Tage noch an einen Ort pilgern zu dürfen, dessen Name Ehrfurcht und Respekt einflößt. Nicht wie die sterilen Shopping – und Eventarenen, welche wie Unkraut aus der Erde sprießen. Allianz-Arena, Signal-Iduna-Park, AOL-Arena. Bei diesen Namen kann einem nur noch schlecht werden! Wo ist der Bezug zum Verein, zum Sport, zu den Helden der Vergangenheit? Alles gewichen für das perfekte Event. Papi schaut gemütlich das Fußballspiel und lässt sich, im Warmen sitzend, während Mama mit den Kindern shoppen geht, von einigen Halbwilden bespaßen, die für den letzten Rest an Stimmung sorgen. Genau, Halbwilde, Chaoten, Schwarzkutten. Jene, die sich in der Ellenbogengesellschaft, welcher es an einem Wertekanon mangelt, als Wahrer der Tradition verstehen. Jene, die immer ALLES geben, auch wenn ihre Elf stümpert. Jene, die so wenig von Verein und Spielern verlangen, aber bereit sind so viel zu Opfern. Genau diesen Menschen verpasst man Schläge ins Gesicht und in den Magen, wenn man Gerüchte über einen Verkauf des Stadionnamens streut. Der Name, der für so viele zur Religion wurde; ohne den sie sich ihr Leben nur schwer vorstellen können. Und warum das Ganze?
Für’s scheiß Geld! Für den scheiß Kommerz! Da man in den letzten zehn bis 15 Jahren nicht fähig war, ordentlich mit Geld zu haushalten, muss nun auch das letzte Bisschen greifbare Tradition verhökert werden. Man soll nun in ein Stadion, dessen eventueller künftiger Name so kreativ und sportbezogen ist wie die “Nebenkostenabrechung” meiner Behausung!
Damit nicht genug! Um ihrem Dasein (im Stadtrat) eine Berechtigung zu verleihen, und sicherlich auch aus persönlichen Gründen, legen Menschen der finanziellen Gesundung des FCKs immer wieder Steine in den Weg. Sei es ein übereifriger Eidgenosse, der mal schnell das Stadion zur Rettung des Vereins zu einem lächerlichen Preis verschenkt, oder Abgeordnete o.g. Regierungsgremiums, welche eher subjektiv als objektiv Anträge auf Mietminderung besprechen. Mehr als einen oder zwei Gedanken an die Verscherbelung des Stadions lassen sich auch nicht verschwenden, ohne Kopfschmerzen davonzutragen. Kurzfristig dem Verein geholfen, langfristig brachte der Stadionverkauf nur Probleme. Man zahlt einen mittleren siebenstelligen Betrag an eine ominöse Stadiongesellschaft, um im “eigenen” Stadion spielen zu dürfen. Ein Vielfaches dessen, was andere Vereine abdrücken müssen! Vielen Dank, Rene mit dem Großen Ceh! Dies alles hat zur Folge, dass man jährlich einen Antrag auf Mietminderung stellen muss, da der Verein die exorbitante Stadionmiete niemals stemmen könnte. Jedoch steckt man nun in folgendem Dilemma: Einerseits kann es sich die SG und vor allem auch die Stadt nicht leisten, dem FCK jenen Antrag abzulehnen, andererseits sind beide so hoch verschuldet, dass sie auf die komplette Miete angewiesen sind. Also gibt es Mietminderung auf Besserungsscheinen. Auf den ersten Blick gut, auf den zweiten eher weniger. Verbessert sich nämlich die finanzielle Situation des Vereins, werden eben jene Scheine fällig und jeder mühsam gesparte Cent muss abgedrückt werden. Auch an dieser Stelle nochmals Danke an den Schweizer Topmanager!
Was ist nun die Lösung der nächsten Monate oder gar Jahre? Das kann ich nicht sagen. Jedoch das letzte Stück des alten Betze für’s schnelle Geld zu verscherbeln scheint mir der falsche Weg. Denkt daran, wie sehr die Pfälzer an ihrem Berg hängen! Es wird nie mehr dasselbe sein. Der Mythos Betzenberg und Fritz – Walter – Stadion werden erheblich an Glanz verlieren. Die Stimmung wird befremdlich wirken.
Trotzdem werden die Massen am Wochenende zum Stadion gezogen. Auch wenn es Pfalzgasarena auf dem Betzenberg heißen wird…